Schutz gegen Starkregen

Hast du es auch schon bemerkt? Sommerliche Hitze sowie Platzregen, teilweise begleitet von heftigen Gewittern, haben in den letzten Jahren zugenommen. Bundesweit wurden Schäden in Millionenhöhe verursacht – nicht nur in Städten.

 

Die Folgen des Klimawandels sind nicht mehr zu übersehen. In einem weltweiten Ranking der Entwicklungsorganisation Germanwatch, das auf der Weltklimakonferenz in Madrid Anfang Dezember 2019 vorgestellt worden ist, landete Deutschland 2018 erstmals unter den ersten drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten.

 

Vor allem sommerliche Starkregen können jeden treffen. Die schnell ansteigenden Fluten lassen Keller und Garagen volllaufen und verwandeln Straßen und Grundstücke in Seen. Wirst du von den Fluten überrascht, kannst du nur noch versuchen, dein Hab und Gut so gut wie möglich zu sichern. Feuerwehrleute, die im Dauereinsatz Wasser aus Kellern, Garagen und Wohnungen abpumpen, verstopfte Gullys reinigen und unterspülte oder abgerutschte Böschungen sichern, bemühen sich nach Kräften, Schäden so gering wie möglich zu halten.

 

Solch starker Regen, mit 60 Liter Wasser pro Quadratmeter in der Stunde und mehr, gehörte bisher vor allem in den tropischen Regionen zum Alltag. Jetzt sollten auch wir uns darauf einstellen, um Dinge, die uns am Herzen liegen, vor den zunehmenden Folgen des Klimawandels zu schützen.

 

Wenn du überlegst, dein Haus zu modernisieren oder umzubauen, solltest du auf jeden Fall bei der Planung berücksichtigen, dass künftig stärkere Niederschläge abfließen müssen – ohne Schaden anzurichten. Wenn du neu bauen möchtest, wähle das Bauland sorgfältig aus – außerhalb von Überflutungsbereichen. 

 

 

Starkregenrisiko für das Grundstück checken

 

Auch wenn Bäche und Flüsse nicht in Sichtweite deines Grundstücks sind, schau dich genau um und analysiere mögliche Überflutungsgefahren. Normalerweise harmlos wirkende kleine Bäche können bei einem Starkregen innerhalb kurzer Zeit zu reißenden Strömen anschwellen, Gegenstände mitreißen, Straßen und Wege unterspülen. An Hängen können bei starkem Regen Sturzbäche oder Schlammlawinen zu Tal schießen und sogar Bäume und Autos mitreißen. In Senken sammeln sich die Fluten, bevor sie abfließen oder versickern – steht dort dein Haus, steht es im Wasser.

 

In zwei Schritten kannst du das Überflutungsrisiko für dein Grundstück prüfen:

 

1. Schritt: Informiere dich bei der Gemeinde-/Stadtverwaltung

Diese hilfreichen Basis-Informationen gibt es dort:

·                    Starkregen- und Hochwassergefährdungskarten zeigen riskante Gebiete;

·                    vorhandene Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge sind erfasst (Deiche und mobile   Hochwasserschutzsysteme, Flächen zur Zwischenspeicherung von Wasser, etc.).

 

2. Schritt: Prüfe eigene Schutzmaßnahmen gegen Starkregen

Mit diesen Maßnahmen auf deinem Grundstück kannst du dein Haus gegen Starkregen schützen:

·                    Flächen erhalten, auf denen Wasser schnell versickern kann,

·                    zusätzliche Mulden als Wasserspeicher anlegen,

·                    das Haus z.B. durch Erdwälle/Mauern abschirmen und so gegen leichte Überflutungen auf dem           Grundstück schützen,

·                    Bodenabspülung vermeiden durch dichte Bepflanzung im Garten.

 

 

So beugst du gegen Schäden bei Starkregen vor:

·                    Wasserbeständige oder -abweisende Baustoffe wie Beton, Ziegel oder Fliesen überstehen einen   Wasserschaden viel besser als Trockenbauwände aus Gips und Holzlatten. Wandbespannungen und   Vorhänge sind nach einem Wassereinbruch meist ebenso reif für den Müll wie Kork- oder Holzbodenbelege.

·                    Im Keller solltest du generell auf hochwertige Einrichtung ebenso verzichten wie auf die Aufbewahrung von   wasserempfindlichen Wertgegenständen. Das gleiche gilt für Räume im Erdgeschoss, der durch Starkregen   gefährdet sein könnten.

·                    Sicherungskästen für Hauselektrik, Heizkessel/Therme und Lüftungstechnik sollten auf jeden Fall   wassersicher aufgestellt werden.

·                   Jeder Heizöltank braucht eine spezielle Sicherung, die gegen eindringendes Wasser schützt.

 

Starkregenschutz an Dächern, Fenstern und Türen

 

Starkregen mit 60 Litern oder mehr pro Quadratmeter in der Stunde sind auch in unseren Breiten keine Seltenheit mehr. Bei einem kräftigen Gewitter mit heftigem Regen und Sturzfluten, reichen manchmal schon wenige Minuten aus, um Häuser und Grundstücke zu überschwemmen. Besonders schnell dringt Wasser ins Gebäude ein, wenn das Haus in einer Senke oder am Ende einer abschüssigen Straße liegt: Kellertür, Fenster oder Lichtschächte können Wassermassen nur standhalten, wenn sie vorausschauend zusätzlich gesichert sind. Verstopfte Dachrinnen sind ein großes Schadensrisiko, weil sie Wasserfälle an der Fassade auslösen und so Balkons fluten können.

 

So findest du Starkregen-Schwachstellen bei deinem Haus:

·                    An welchen Stellen kann Wasser ins Gebäude eindringen – Türen, Fenster, Rückstau in Abflussleitungen?

·                    Welche Bereiche im Keller oder Erdgeschoss sowie in der Garage wären besonders von   Starkregen/Hochwasser/steigendem Grundwasser betroffen?

·                    Welcher Schaden könnte schlimmstenfalls entstehen?

·                    Wie könntest du das Risiko senken?

 

Wenn du dir so eine Bewertung nicht zutraust oder keine Zeit dafür hast, kommt hier dein Plan B:

Du kannst auch das Starkregenrisiko für deine Immobilie durch einen neutralen Experten begutachten lassen. Eine Liste mit neutralen Experten stellt das Hochwasser Kompetenz Centrum (HKC) in Köln zur Verfügung. Ein Ingenieur/Architekt prüft deine Angaben bzw. schaut sich das Haus an, sammelt öffentlich zugängliche Informationen und bewertet die aktuelle Gefährdung der Immobilie. Am Ende stellt er für dein Haus einen Hochwasserpass aus. Der beschreibt die wichtigsten Daten des Hauses – Standort, baulicher Zustand, bereits vorhandene bauliche Vorsorge und evtl. die in der Vergangenheit bereits eingetretenen Schäden. Dazu das Gefährdungsrisiko auf einer Farbskala von Rot (große Gefährdung) bis Grün (gut geschützt). Zusätzlich bekommst du Tipps, welche Maßnahmen das Starkregenrisiko mindern könnten. 

 

Wenn du dein Haus nachträglich besser gegen Starkregen schützen möchtest, gibt es verschiedene Maßnahmen, die sinnvoll sein können:

·                    eine Rückstauklappe am Hausabfluss verhindert, dass bei überlasteter Kanalisation Sturzfluten und   Abwasser über Toilette oder Waschbecken zurück ins Haus gedrückt werden;

·                    Wasserfälle aus Regenrinnen kannst du verhindern, indem die Abflüsse regelmäßig gesäubert werden.   Sind die Rinnen zu klein, um das Regenwasser vom Dach abzutransportieren, kannst du eine größere   Rinne montieren lassen;

·                    ein begrüntes Dach wirkt wie ein zusätzlicher Regenspeicher;

·                   Lichtschächte, Kellerfenster und Kellertüren können gegen Starkregen bzw. Sturzfluten durch   druckwasserdichte Fenster, spezielle Rahmen mit kompletten Klappen oder variablen Barrieren geschützt   werden;

·                    zusammen mit einer energetischen Modernisierung können Wände von außen auch gegen eindringende   Feuchtigkeit geschützt werden;

·                    deinen Hauseingang kannst du mit Stufen oder Schwellen gegen kleinere Fluten schützen;

·                    Balkontüren oder Terrassenfenster kannst du ebenfalls durch Schwellen/Stufen oder durch spezielle   Flutschott- und Lamellen-Systeme sichern;

·                    Garage- oder sogar Hofeinfahrten kannst du durch mobile Schutzwände und -tore sichern.

 

Umsetzen sollten all diese Maßnahmen auf jeden Fall ein Fachbetrieb.

 

 

Versicherung gegen Starkregen/Hochwasser

 

Wenn Starkregen deinen Keller oder Balkon geflutet hat, oder Wasser in die Wohnung geschwappt ist, wird die Beseitigung von Schäden am Haus und am Hausrat sehr schnell sehr teuer  – vier- bis fünfstellige Euro-Beträge sind keine Seltenheit.

Wenn du dich gegen solche Naturgewalten mit einer Versicherung absichern möchtest, reicht die normale Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung selten aus. Spezielle Zusatzversicherungen, etwa gegen  "Elementarschäden" oder "erweiterte Naturgefahren", sind allerdings teuer. Das Verbraucherportal Finanztip hat die Angebote von Wohngebäudeversicherungen verglichen. Ergebnis:  Ein Vertrag mit Starkregenschutz kostet im Schnitt 48 Prozent mehr. Sinnvoll ist so ein Vertrag deshalb nur, wenn die Gefahr in deinem Fall wahrscheinlich ist – ansonsten spar dir diese Mehrkosten und leg für den Notfall eine Reserve an. Um nicht mehr als nötig zu bezahlen, lohnt sich vor Vertragsabschluss auf jeden Fall ein gründlicher Preis-Leistungs-Vergleich zwischen mehreren Anbietern. Abgedeckt sein sollten durch die Versicherung auch Schäden, die entstehen, wenn Sturzfluten Gegenstände wie z. B. Autos, Bäume, Müllboxen etc. gegen dein Haus spülen.

Vorsicht: Schäden nach tagelangem Dauerregen sind durch solche Versicherungen nicht abgedeckt.

 



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