Energieberater - wie finde ich den richtigen Experten?

Als wir unser Elternhaus verkauften, begann für das Gebäude ein neuer Lebensabschnitt. Erbaut in den sechziger Jahren, war das Einfamilienhaus mittlerweile in Sachen Energieeffizienz nicht mehr auf der Höhe der Zeit - eine rund 15 Jahre alte Ölheizung, fast überall einfach verglaste Fenstern und für heutige Verhältnisse zu wenig Wärmedämmung.

Sicher, die Eltern hatten das Haus in Schuss gehalten, den Heizkessel erneuert und die großflächigen Wohnzimmerfenster nachträglich doppelt verglasen lassen. Doch dies konnten nur erste Schritte hin zu zeitgemäßer Energieeffizienz sein. Deshalb wollten die Käufer vor dem Einzug modernisieren – und suchten sich einen Energieberater. Der sollte ihnen empfehlen, welche Energiespar-Maßnahmen für ihr neues Haus sinnvoll sind.

In jedem Altbau schlummert Energiesparpotenzial. Wo wertvolle Heizwärme verloren geht und ob Haustechnik zu viel Energie frist, können Käufer erahnen, wenn sie sich den Energieausweis des Hauses ansehen. Diesen müssen Verkäufer vorlegen, damit auch Laien schnell einen groben Überblick über den Energieverbrauch eines Gebäudes bekommen können.

 

Aber an wen sollten sich Käufer von Altbauten wenden, wenn sie in ihrem neuen Heim Energie sparen wollen?

 

1. Energieberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung

Das ist eine schlechte Nachricht für alle, die nach schnellen, einfachen Lösungen suchen. Die Google-Abfrage zum Stichwort  "Energieberater finden" zeigt über 4 Millionen Einträge. Die Expertenliste der Deutschen Energieagentur (dena.de) listet für private Bauherren rund 11.000 Energieberater auf. Wer einen Fachmann vor Ort sucht, der zum Thema Energieeinsparung und energetische Modernisierung berät oder einen neuen Energieausweis ausstellt, steht vor einem unüberschaubaren Angebot.

Die Palette reicht vom Handwerksmeister über Schornsteinfeger bis hin zu Architekten und Bauingenieuren, alle mit Energieberater- Zusatzqualifikation – allerdings in sehr unterschiedlicher Qualität. Und wer weiß schon, ob nicht nur der Chef eines Handwerkbetriebs ein Energieberatungs-Zertifikat besitzt und von Fall zu Fall auch seinen unqualifizierten Mitarbeiter schickt. Es kann Zeit kosten, die Spreu vom Weizen zu trennen. Vereinbare ein persönliches Gespräch und ich gebe dir gerne Tipps, worauf du achten solltest und wo du gute Energieberater findest.

 

2. Entscheide, welche Qualifikation du wirklich willst

Bei einfachen Fragen zum Stromsparen können schon die örtlichen Stromversorger weiterhelfen. Deren Mitarbeiter im Kundenzentrum geben einfache Haushaltstipps und verteilen Infobroschüren. Das ist kein schlechter Start fürs tägliche Energiesparen im Haushalt, schließlich können mit LED-Leuchten, ausschaltbaren Steckerleisten, den richtigen Kochtöpfen und der optimalen Nutzung von Kühlschrank, Spül- und Waschmaschine im Haushalt bis zu mehreren hundert Euro im Jahr an Stromkosten gespart werden. Als Energieberatung in Sachen Modernisierung reicht das nicht.

Bei kleineren Modernisierungen bieten einige Stadtwerke Beratung durch angestellte Installateure, Techniker und Meister aus dem Gas-, Wasser- oder Elektrohandwerk an – teilweise sogar beim Kunden zuhause. Umfassende Informationen zur Modernisierung, die über Fragen zu Gas- oder Ölheizung und Warmwasserbereitung hinausgeht, solltest du von ihnen aber nicht erwarten.

Selbstständige Handwerker, beispielsweise mit Energieberater-Zertifikat der Handwerkskammer, sind kompetente Helfer in ihrer speziellen Fachrichtung. Allerdings ist es immer empfehlenswert, Meinungen mehrerer Handwerker einzuholen. Heizungstechniker bevorzugen schon mal den Einbau eines leistungsstärkeren Heizkessels gegenüber einer besseren Dämmung des Gebäudes, stromversorgernahe Energiebrater plädieren selbst in Altbauten mit kleinen Heizflächen und hohen Decken für den Einbau von strombetriebenen Wärmepumpen und Fassadensanierer packen das Gebäude am liebsten ganz dick ein.

Teilweise sind Handwerker auf einen Hersteller oder Zulieferer aus ihrer Branche besonders spezialisiert – und daran interessiert, dem Kunden nach der Beratung ein Gerät, das sie kennen zu verkaufen – oder eines, bei dem ihre Gewinnspanne hoch ist. Und: Sollen Heizung, Fassade und Fenster modernisiert werden, kann die energetische Beratung durch viele unterschiedliche Handwerker auch mehr verwirren als zur optimalen Lösung beitragen.

Wenn du den energetischen Status deiner gesamten Immobilie erfahren möchtest, weil du beispielsweise deine Heizung erneuern möchtest, brauchst du einen Energieberater mit rundum-Blick. Als Gütesiegel für Energieberater – meist Architekten und Bauingenieure – gilt deren Aufnahme in die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes (energie-effizienz-experten.de). Ebenfalls erfolgversprechend ist die Suche über das bundesweit vertretene Deutsche Energieberater Netzwerk, das sich explizit auf Neutralität und Unabhängigkeit gegenüber Handwerkern, Händlern und Herstellern verpflichtet (den-ev.de). Orientierung geben auch die bundesweite Interessenvertretung der Energieberater (gih.de), der Bundesverband Altbauerneuerung (bakaberlin.de) oder Verbraucherzentralen (verbraucherzentrale-energieberatung.de).

Wichtig: Wenn du BAFA-Förderung oder Unterstützung durch die KfW möchtest, brauchst du auf jeden Fall einen Energieberater, der beim jeweiligen Geldgeber Förderanträge stellen darf! Also lass dir vor der Unterzeichnung eines Beratervertrages auf jeden Fall nachweisen, ob der Berater deines Vertrauen auch die richtige Qualifikation hat. Denn wer bei der BAFA antragsberechtigt ist, kann noch lange keine Förderanträge bei der KfW stellen - und umgekehrt.

Vorsicht: Es gibt Lockangebote im Internet, die über kostenlose 0800-Nummern Kunden ködern, die sich eine kostenlose Erstberatung beispielsweise zum Ölheizungstausch wünschen.Wer dort seine Kontaktdaten angibt, landet wohl in einem Pool, aus dem sich Energieberater mit freien Kapazitäten bedienen können. Wenn ein Energieberater anruft, sprich mit ihm nur über deine gewünschte kostenlose Erstberatung! Wenn du dich sofort arglos auf eine Vor-Ort-Besichtigung durch den Energieberater einlässt, kann dich dieser Besuch mehrere hundert Euro kosten.

Seriöse Berater sind immer daran zu erkennen, dass sie ihre Kunden herstellerneutral beraten

Sie nehmen ihre Kunden quasi an die Hand und schauen sich vor Ort den Zustand des Hauses bis ins Detail an. Dafür vereinbart der Energieberater im 1. Schritt einen Haus-Besuch und prüft die gesamte Immobilie vom Keller bis zum Dach anhand einer Checkliste. Aus seiner Bewertung von Außenwänden, Dach, Fenstern und Türen, Konstruktion, Heizung und Warmwasserbereitung berechnet er den Energieverbrauch des Hauses und ermittelt die ausführliche Energiebilanz.

Im 2. Schritt entsteht auf Basis der gesammelten Daten der Beratungsbericht – der energetische Status quo des Hauses samt Schwachstellenanalyse. Dieser Bericht enthält auch Vorschläge zur energetischen Modernisierung von Fassade, Dach, Fenstern, Keller, Heizung und Warmwasserbereitung. Hinzu kommt eine grobe Kostenschätzung für die Modernisierungsmaßnahmen, deren Amortisationszeiten sowie die Höhe der möglichen jährlichen Energieeinsparung.

Im 3. Schritt folgt abschließend ein persönliches Beratungsgespräch. Hier erläutert der Energieberater noch einmal mündlich die Ergebnisse seiner Untersuchung und die sich daraus ergebenden Modernisierungsvorschläge. Darüber hinaus informiert er über mögliche Fördermittel und wie man sie beantragt.

Der Preis für eine Energieberatung im Vorfeld einer Modernisierung schwankt je nach Aufwand zwischen 400 und 1000 Euro für ein Einfamilienhaus. Nach dem aktuellen Programm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (bafa.de) gibt es für die professionelle Energieberatung einen Zuschuss in Höhe von 60 Prozent des zuwendungsfähigen Beraterhonorars (max. 800 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern, max. 1.100 Euro bei Wohnhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten). Den Zuschuss gib es für alle Häuser, deren Bauantrag beziehungsweise Bauanzeige vor dem 31. Januar 2002 gestellt wurde. Außerdem kannst du die Förderung sogar mehr als einmal beantragen: Bereits nach vier Jahren ist die Vor-Ort-Beratung für dasselbe Gebäude wieder zuschussfähig. Achtung bei BAFA-Förderung: Erst Förderung beantragen, dann beraten lassen.

Wichtig: Energieberater haben aufgrund ihrer Berufserfahrung ganz unterschiedliche Schwerpunkte und Spezialgebiete. Vertrauenswürdige Energieberater sollten überzeugende Referenzen vorlegen – und auch bereit sein, Kontakte zu ehemaligen Kunden anzubieten. Vor der Vergabe eines umfangreiches Energie-Checks, sollte mit dem Energieberater ausführlich gesprochen werden – am besten vor Ort. So klärt sich meist schnell, ob die Qualifikation des Beraters zu deinem Beratungsziel passt und, was auch sehr wichtig ist, ob die Chemie zwischen euch stimmt.


3. Beratungsziel bei der Altbau-Modernisierung klar formulieren
Nur wenn dein Berater möglichst konkret weiß, was du mit der Modernisierung erreichen möchtest, kann er dir entsprechend helfen. Ein Ziel der Vor-Ort-Energieberatung könnte sein, zu erfahren, wie das Haus künftig so wenig Wärme wie möglich verliert. Ein anderes könnte sein, zu prüfen, ob es sich rechnet, erneuerbare Energie für die Heizung und Warmwasserbereitung zu nutzen. Oder der Energieberater könnte untersuchen, ob eine Holz-Pellet-Heizung/Wärmepumpe wirtschaftlicher betrieben werden kann als ein klassischer Brennwertkessel und in wieweit Solar- oder Erdwärme die Warmwasserbereitung/Heizung unterstützen können.

Mit den Ergebnissen der Energieberatung kannst du Schritt für Schritt die Modernisierung deines Hauses angehen – und z.B. mit Hilfe des Energieberaters auch Darlehen und Fördermittel über KfW-Programme beantragen.

Kleinere Maßnahmen, wie den Einbau einer zusätzlichen Tür zwischen Flur und Wohnbereich oder den Austausch eines alten Durchlauferhitzers, kannst du direkt bei Handwerkern beauftragen. Bei größeren Modernisierungs-Projekten, die mehrere Gewerke betreffen, wie Dämmung plus Heizungsmodernisierung, könnte dich der Energieberater als neutraler Fachmann begleiten und die Qualität der Handwerksarbeiten prüfen (siehe unten Bonus).

 

Vorsicht: Nicht immer ist das teuerste Modernisierungs-Angebot auch das Beste

Wer maximale Energieeinsparung anstrebt, sollte auf energetische Modernisierung der Gebäudehülle und darauf abgestimmter Haustechnik setzen.

Hohe Energieeinsparung zu vergleichsweise niedrigen Kosten ist bei der Wärmedämmung von Dachgeschossen und Kellerdecken zu erzielen.

Energiesparmaßnahmen an der Fassade und außen auf dem Dach rechnen sich am besten im Zusammenhang mit einer Modernisierung.

Beim Heizkessel kann eine Modernisierung nach 15 bis 18 Jahren sinnvoll sein und dann künftig rund 20 Prozent Energiekosten sparen.

Wer für Modernisierungsarbeiten einen bestimmten Betrag zur Verfügung hat, sollte sich ausrechnen lassen, wie mit der vorhandenen Summe das Maximum an Energie-Einsparung erreicht werden kann. Ich helfe dir gerne, den richtigen Fokus zu finden. Vereinbare ein persönliches Gespräch.

 

Bonus: Energieberater als Baubegleiter

Einige Energieberater können noch mehr. Sie beraten Bauherren bei der Suche nach geeigneten Handwerkern. Als Baubegleiter schauen sie Handwerkern über die Schulter und greifen ein, falls nicht fachgerecht gearbeitet wird.

Parallel zu den Modernisierungsarbeiten bieten diese Baubegleiter unterschiedliche Erfolgskontrollen: Bilder mit der Wärmebildkamera (Thermographie) lassen Schwachstellen in der Fassade farblich hervorspringen. Der Blower-Door-Test prüft, ob das Gebäude dicht ist und  keine Heizwärme verliert. Bauphysikalische Untersuchungen spüren Wärmebrücken auf, wo es schnell zu Schimmelbildung kommen kann.

Einige Maßnahmen zur energetischen Modernisierung von Altbauten rechnen sich schon nach ein paar Jahren. Das ein Altbau nach der Modernisierung nur noch die Hälfte der Energie verbraucht wie vorher, ist durchaus üblich. 

Welche Erfahrungen hast du mit Energieberatern gesammelt und was hat dir gefehlt?

Schreib deine Erfahrungen unten in den Kommentar. Ich freu mich darauf!

Wenn du Fragen zum Thema hast, freue ich mich auch und antworte auf jeden Fall. 

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